Die Ausbildung abbrechen: So machst du es richtig!

Wenn die Zusage zum gewünschten Ausbildungsplatz kommt, wird für viele junge Leute ein Traum wahr. Doch nicht immer gestaltet sich die Ausbildung zum gewählten Beruf wirklich so wie gedacht.

Kommt es zu unüberbrückbaren Schwierigkeiten mit dem Chef oder den Kollegen oder merkst du einfach, dass die jeweilige Tätigkeit doch nicht das Richtige für dich ist, überlegst du vielleicht, die Ausbildung vorzeitig abzubrechen. Unter Umständen kann diese Entscheidung sogar richtig für deinen weiteren beruflichen Werdegang sein – allerdings solltest du sie keineswegs leichtfertig treffen und dabei außerdem einige wichtige Punkte beachten.

 

Ausbildung abbrechen: Welche Gründe gibt es?

In jedem Arbeitsalltag gibt es Momente, in denen man am liebsten alles hinwerfen würde. Das geht auch Azubis nicht selten so: Eine Ausbildung stellt eine große Veränderung im Leben dar und läutet häufig einen ganz neuen Lebensabschnitt ein. Azubis fühlen sich besonders in den ersten Wochen oftmals überfordert mit dem neuen Arbeitsplatz, den Kollegen und den Tätigkeiten, die ihnen noch nicht vertraut sind. Wer in solchen Augenblicken darüber nachdenkt, die Ausbildung vorzeitig zu beenden, sollte sich diesen Schritt gut überlegen. Handelt es sich nur um eine vorübergehende Unzufriedenheit, ist es ratsam, noch einige Zeit abzuwarten und eventuell mit dem Vorgesetzten über die Probleme zu sprechen. Das gilt auch dann, wenn es zu Konflikten am Arbeitsplatz kommt. Lassen sich diese jedoch nicht klären oder handelt es sich gar um Mobbing in der Ausbildung, ist es vielleicht die beste Idee, den Ausbildungsbetrieb zu wechseln.

Bestehen gesundheitliche oder private Probleme, die das Absolvieren der Ausbildung erschweren oder gar unmöglich machen, sind dies ebenfalls häufige Gründe, die für das Abbrechen der Ausbildung verantwortlich sind. Selbstverständlich können auch erst während der Arbeit derartige Probleme auftreten, so zum Beispiel Allergien gegen Werkstoffe oder Rückenbeschwerden bei schwerer körperlicher Arbeit. Auch wenn der gewählte Beruf in der Theorie eine Traumtätigkeit war, muss sich dies in der Praxis nicht bestätigen: Wenn du merkst, dass dein Ausbildungsberuf wirklich nichts für dich ist und dir gar keine Freude macht, solltest du vielleicht über einen Branchenwechsel nachdenken.

 

Eine Entscheidung, die gut überlegt sein will

Auch wenn dich dein Ausbildungsberuf vielleicht gerade richtig nervt und du morgens am liebsten liegen bleiben würdest, anstatt zur Arbeit zu gehen: Das vorzeitige Beenden einer Ausbildung sollte nie voreilig getroffen werden. Zum einen wird dies in deinem Lebenslauf aufgeführt und wirft bei zukünftigen potenziellen Arbeitgebern sicherlich Fragen auf; zum anderen brauchst du einen zuverlässigen Plan, wie es nach dem Abbruch weitergehen soll. Du solltest also sicher sein, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende schwierige Phase handelt. Stell dir die Frage, ob es Möglichkeiten gibt, die Situation an deinem aktuellen Arbeitsplatz zu verbessern und ob es anderswo wirklich besser wäre. Ein Gespräch mit deinen Eltern, deinem Vorgesetzten, dem Betriebsrat oder einem Berufsberater kann hilfreich sein.

 

Die Kündigung: Das solltest du beachten

Hast du dich entschlossen, deine Ausbildung abzubrechen, musst du eine Kündigung verfassen. Diese muss immer schriftlich erfolgen, kann aber formlos sein. Befindest du dich noch innerhalb der Probezeit, kannst du sogar fristlos kündigen. Gründe musst du dafür nicht angeben; es genügt, wenn du erklärst, dass du das Ausbildungsverhältnis beenden möchtest. Daraufhin kannst du noch am selben Tag aufhören zu arbeiten. Außerhalb der Probezeit sieht das etwas anders aus: Hier musst du eine Kündigungsfrist von vier Wochen einhalten. Ausnahmen gelten nur dann, wenn ein Gesetzesverstoß vorliegt und du etwa Gewalt am Arbeitsplatz erlebt hast oder dir deine Ausbildungsvergütung vorenthalten wurde. Im Falle einer Kündigung hast du noch folgende Ansprüche, denen dein Arbeitgeber entsprechen muss:

  • Arbeitszeugnis
  • Arbeitspapiere
  • Vergütung bis zum letzten Arbeitstag
  • Bezahlung oder Ausgleich für Resturlaub oder Überstunden

 

Übrigens: Falls du noch minderjährig bist, benötigst du für deine Kündigung auch die Unterschrift deiner Eltern beziehungsweise der Erziehungsberechtigten.

 

Wie geht es nach der Kündigung weiter?

Noch bevor du die Kündigung bei deinem Arbeitgeber einreichst, solltest du wissen, wie es nach dem Ende deiner Ausbildung weitergeht. Beendest du deine Tätigkeit Hals über Kopf, ist das Risiko groß, in die Arbeitslosigkeit abzurutschen. Dadurch entsteht eine Lücke im Lebenslauf, die du beim nächsten Bewerbungsgespräch erklären musst, denn auf potenzielle Arbeitgeber macht eine abgebrochene Ausbildung zunächst einmal keinen guten Eindruck. Es ist also sinnvoll, bereits vor Einreichen des Kündigungsschreibens eine neue Tätigkeit in Aussicht zu haben.

Sofern du es noch einige Zeit an deinem aktuellen Arbeitsplatz aushältst, kannst du parallel Bewerbungen schreiben und dir so direkt einen neuen Ausbildungsplatz suchen. Falls du einen kompletten Berufswechsel in Erwägung ziehst, kann auch zunächst einmal ein Praktikum eine gute Alternative sein, um herauszufinden, welche Richtung für dich die Richtige ist. Weitere Möglichkeiten sind die folgenden:

  • Volontariat
  • Studium
  • Höherer Schulabschluss
  • Freiwilliges Soziales Jahr
  • Freiwilliges Ökologisches Jahr
  • Auslandsaufenthalt

 

Ist der Schritt gut überlegt und geplant, ist das Abbrechen einer Ausbildung kein Unglück, sondern unter Umständen der Wegbereiter für eine erfolgreichere und zufriedenere berufliche Laufbahn. Die Entscheidung, ob du deine Ausbildung weiterführen möchtest oder eine Alternative die bessere Lösung für dich ist, musst du letztendlich selbst treffen – es ist aber anzuraten, dennoch mit Dritten darüber zu sprechen und dich etwa bei der Agentur für Arbeit beraten zu lassen, damit du sichergehen kannst, wirklich den für dich richtigen Schritt zu wählen.

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